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Gesundheit

Aus den Abschließenden Bemerkungen oder concluding observations des UN-Ausschusses von 2004 geht folgende Empfehlung hervor: „Der Ausschuss empfiehlt dem Vertragsstaat, ein System zur Erfassung der Daten und der Indikatoren zu entwickeln, das den Vorgaben des Übereinkommens entspricht und nach Geschlecht, Alter und städtischen bzw. ländlichen Bereichen aufgeschlüsselt ist. Dieses System sollte alle Kinder bis zum Alter von 18 Jahren erfassen, wobei den besonders benachteiligten Kindern wie z. B. Ausländerkindern spezielle Beachtung zu schenken ist. Des Weiteren ermutigt der Ausschuss den Vertragsstaat, diese Indikatoren und Daten zur effektiven Umsetzung des Übereinkommens in die Formulierung von politischen Maßnahmen und Programmen einfließen zu lassen.“

Mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) im Auftrag der Bundesregierung legte das Robert-Koch-Institut im Mai 2007 erstmalig umfassende und bundesweit repräsentative Informationen zum Gesundheitszustand und zum Lebensstil von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren vor.

Die Ergebnisse zeigen, dass:

  • Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen und bildungsfernen Haushalten einen schlechteren Gesundheitszustand und häufiger psychische Probleme als ihre Altersgenossen aus einkommensstarken und gebildeten Familien haben,
  • eine prekäre finanzielle Lage der Familie, insbesondere bei Jungen das Risiko psychischer Auffälligkeiten erhöht,
  • Jugendliche, deren Eltern nur einen Hauptschulabschluss besitzen, weit häufiger übergewichtig sind und rauchen als Jugendliche, deren Eltern das (Fach-) Abitur haben,
  • Jungen und Mädchen, die bei alleinerziehenden Eltern aufwachsen, vermehrt an emotionalen Problemen leiden.

Dramatisch erhöht sich das Gesundheitsrisiko bei minderjährigen Flüchtlingen, die Gesundheitsleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, welches große Teile der Gesundheitsversorgung für Flüchtlingskinder ausschließt, u.a. die Prävention. Es besteht nur bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen ein Anspruch auf medizinische Behandlung. Insbesondere Psychotherapie oder die Behandlung von chronischen Erkrankungen ist schwierig zu erreichen, da sie mit hohen bürokratischen Hürden versehen ist.

Gesundheits-, Sozial-, Familien- und Bildungspolitik müssen ineinandergreifen, um die Gesundheit bei sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Insbesondere in sozial benachteiligten Stadtteilen und Kommunen sind verstärkte Maßnahmen erforderlich.

Bund, Länder, Kommunen und Krankenkassen sollten die Mittel für Gesundheitsförderungsmaßnahmen zukünftig dort stärker konzentrieren, wo der Bedarf am größten ist, d. h. bei sozial Benachteiligten.

Minderjährige Flüchtlinge müssen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus umfassende gesundheitliche Versorgung erhalten und sollen in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen werden.