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Kinderhandel, Kinderpornografie, Kinderprostitution

In Deutschland gibt es nur unzureichende Zahlen zu Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie. So erfasst das Lagebild des Bundeskriminalamts zu Menschenhandel in Deutschland nur teilweise das Problem Kinderhandel. Dunkelfeldforschung oder repräsentative Studien zu Kinderhandel, Kinderprostitution oder Kindersextourismus in Deutschland sind bisher nicht bekannt. In der Polizeistatistik werden Delikte der sexuellen Gewalt an Kindern allgemein unter sexuellem Missbrauch erfasst. Es lässt sich daraus nicht erkennen, ob der sexuelle Missbrauch im Inland oder Ausland geschehen ist, d.h. es gibt keine Erkenntnisse über das Ausmaß von Kindersextourismus.

Die Begrifflichkeit von Kinderhandel  ist in der deutschen Gesetzgebung nicht entsprechend den internationalen Vereinbarungen geregelt. Dies drückt sich beispielsweise darin aus, dass unter den Tatbestand des Kinderhandels lediglich die illegale Adoption fällt, nicht aber andere Zwecke wie die wirtschaftliche oder sexuelle Ausbeutung des Kindes. Daraus resultieren zahlreiche Nachteile für die Opfer von Kinderhandel und eine weniger effektive Strafverfolgung.

Für eine verbesserte Umsetzung der internationalen Vereinbarungen zum Kinderhandel müsste neben der Anpassung der Gesetzeslage von Seiten der Bundesregierung die Schulung, strategische Ausrichtung und angemessene Ausstattung der entsprechenden Behörden im In- und Ausland gewährleistet werden.

Die Bundesregierung sollte die zur Bekämpfung des Kinderhandels ratifizierten internationalen Übereinkommen zügig und vollständig in nationales Recht und in nationale Strategien umsetzen. Um die effektive Implementierung der Abkommen zu gewährleisten, sollte die Bundesregierung insbesondere die in der EU-Direktive gegen Menschenhandel und für Opferschutz aufgeführten besonderen Schutzmaßnahmen für Minderjährige und die Schutzmaßnahmen für Fachleute, die mit potentiellen Opfern in Kontakt kommen (Polizei, Staatsanwaltschaften, Jugendhilfe, Ausländerbehörden), treffen.

Die Bundesregierung sollte durch spezielle und fortlaufende Schulungen sicherstellen, dass die entsprechenden Behörden in Bezug auf Kinderhandel sensibilisiert sind.

Die Bundesregierung sollte sicherstellen, dass gefährdete Kinder Anlaufstellen finden und dass die Behörden ausreichend ausgestattet sind, um den Kinderhandel in Deutschland effektiv zu bekämpfen.

In Bezug auf Kinderhandel, Kinderpornographie und Kinderprostitution sollte die Bundesregierung Anstrengungen unternehmen, um das Dunkelfeld in diesen Bereichen zu erforschen und eine umfassende Datenlage zu schaffen, auf deren Basis effektive Interventionen möglich werden.