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Recht auf Freizeit und Recht auf Ruhe

Nahezu alle Bundesländer haben in den vergangenen Jahren begonnen, die Schulzeit am Gymnasium von 9 auf 8 Jahre (G8) zu verkürzen. Anliegen der so genannten G8-Reform war, die deutschen Schülerinnen und Schüler fit für den europäischen bzw. globalen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt zu machen. Sie sollten bei Studienbeginn und Eintritt in das Berufsleben jünger sein. In vielen Bundesländern wurde auch der Stichtag der Einschulung vorverlegt. Nach Einführung der G8-Reform fühlen sich die betroffenen Schülerinnen und Schüler - aber auch Eltern und Lehrer - vielerorts überfordert. Sie beklagen die fehlende „Entrümpelung“ der Lehrpläne und „eine Arbeitswoche“, die zuweilen weit mehr als 40 Stunden hat.

Von Kindern und Jugendlichen wurde in der Vergangenheit verstärkt die Forderung nach „mehr Freiräumen“ im Sinne von frei verfügbarer Zeit vorgetragen. Im Ersten Kinder- und Jugendreport bewerteten die meisten Kinder und Jugendlichen die Umsetzung der Kinderrechte in ihrer Freizeit positiv. Hauptkritikpunkte hingegen sind der Mangel an freier, selbst bestimmter Zeit sowie die Kosten für bestimmte Freizeitaktivitäten. Je älter die Kinder, desto schlechter werden die Noten, die sie für die Verwirklichung des „Rechts auf Freizeit“ vergeben, und desto größer wird ihr Bedürfnis nach „Auszeiten und selbst bestimmter Zeit“.

Auch die Expertenkommission des 8. Familienbericht konstatiert einen „Zeitmangel“ und fordert, dass Familien mehr Verfügung über ihre Zeit bekommen, im Alltag besser unterstützt werden und Familienbedürfnisse im deutschen Arbeitszeitrecht besser zum Tragen kommen sollen.

Die Bundesregierung soll auf die Länder einwirken, dass das Recht auf Spiel, Persönlichkeitsentwicklung, Freizeit und Beteiligung auch im Ganztagsbildungssystem ausreichend umgesetzt wird. Kindertagesstätten und Schulen müssen neben der Vermittlung von Lehrstoff ausreichend (Spiel-)raum für die Persönlichkeitsbildung und Beteiligungsrechte ermöglichen. Ein „ganztägiges“ Lernkonzept darf keine ganztägige Vermittlung formeller Bildung bedeuten.

Der Nationale Aktionsplans für ein kindgerechtes Deutschland 2005-2010 soll fortgeschrieben werden und in diesem Zusammenhang müssen die dort festgelegten Qualitätsstandards und Qualitätsanforderungen für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen auf allen Ebenen, insbesondere auf kommunaler Ebene implementiert werden.